Tasche + Bohrung = modularer Möbelbau in Bestform
Verbinder im Test
Zerlegbare Möbel und Einrichtungsgegenstände sind heute ein fester Bestandteil vieler Projekte in Tischler- und Schreinerwerkstätten. Neben gestalterischen und konstruktiven Anforderungen müssen dabei insbesondere Transportfähigkeit sowie Montageaufwand und -kosten berücksichtigt werden. Knapp verspricht mit dem Modular eine stabile Verbindung bei geringem Fertigungsaufwand sowie einen gut beherrschbaren Transport-, Verpackungs- und Montageprozess. Tischlermeister Stefan Böning hat das Produkt in seiner Werkstatt getestet.
Der Transport von Möbeln und Einrichtungsgegenständen bindet erhebliche Ressourcen. Vormontierte Möbel erfordern nicht nur hohen personellen Aufwand beim Verpacken und Transport, sondern nehmen auch deutlich mehr Platz ein als lose verpackte Einzelteile. Deshalb sollten Möbel so geplant werden, dass der Transport weder logistisch noch finanziell zur Herausforderung wird. Dies betrifft nicht nur die Tischlerei, die ihre Einrichtungen selbst anliefert und montiert, sondern besonders auch den Speditionsversand, bei dem Maße, Gewicht und Palettenkosten direkt in Rechnung gestellt werden.

Der flache Doppelclip ist die unsichtbar zerlegbare Lösung, wenn wie im Bild Plattenmaterial auf dünne Materialien wie dieser 15mm dicke Stollen aus Sperrholz trifft.
Faktor Montagebedingungen
Auch beim Transport von Einzelteilen ist es wichtig, diese so zu fertigen und zu verpacken, dass sie möglichst frei von Transportschäden ankommen. Überstehende Beschlagsteile können Oberflächen während des Transports verkratzen und Ersatzlieferungen, Reparaturen und aufwendige Nacharbeiten nach sich ziehen. Vor Ort müssen die Teile sortiert, zugeordnet und oft durch enge Flure oder Treppenhäuser getragen werden – zu groß oder zu schwer ist also keine gute Option. Außerdem sollten Montageaufwand und Anzahl der benötigten Verbinderteile beherrschbar bleiben.

Ganz nach den Materialeigenschaften wird vorgebohrt. Multiplex gerne mehr als Spanplatte.

Durch das Fräsen separater Taschen kann der Verbinder präzise ausgerichtet werden.
Schneller und einfacher verbinden: die Knapp Lösung
Mit dem Modular bietet das Unternehmen Knapp Verbinder nach eigenen Angaben eine modulare, einfach montier- und zerlegbare Lösung, mit der die Möbelfertigung so gestaltet werden kann, dass Transport- und Montageaufwand überschaubar bleiben. Stefan Böning wollte wissen, ob diese Versprechen der Realität entsprechen, und hat das Produkt deshalb in seiner Werkstatt auf Verarbeitbarkeit, Einsatzmöglichkeiten und Vorteile getestet.

Die Tiefe der Fräsung entscheidet über die Qualität der Verbindung.

Der Einsatz der Bohrschablone garantiert den perfekten Sitz der Befestigungschrauben.
Der Modular im Test: das Produkt in seiner Variantenvielfalt
Der Modular ist als Einzel- bzw. Doppelclip in seiner ursprünglich gekröpften Form, sowie als flacher Doppelclip zum Einlassen erhältlich und kann mit den Optionen durchführend, leicht, schwer und nicht lösbar zum Einsatz kommen. Darüber hinaus gibt es eine Anti-Torsion-Variante. Als Gegenstück zu dem in einer Frästasche verdeckt verschraubten Verbinder kommt eine in unterschiedlichen Ausführungen erhältliche Schulterkopfschraube zum Einsatz, die die Verbindung durch das Einschieben des jeweiligen Bauteils arretiert. Auch eine Variante für Mittelwandkonstruktionen ist erhältlich. Zusätzlich zum Verbinder können noch Flachdübel in die Konstruktion integriert werden, wobei die Nutlänge hierfür entsprechend einseitig verlängert werden muss.

Nach dem Befestigen der Verbinder ist das Möbelteil einsatzbereit.

Die 5mm Rasterbohrung bildet die Basis für das Gegenstück zum Verbinder. Die Schulterkopfschraube ist unterschiedlichen Längen und Ausführungen erhältlich.
Klassisch oder modern verarbeiten
Die Frästasche für den Modular kann sowohl klassisch mit einer Oberfräse als auch mit modernen CNC- bzw. Nesting-Maschinen umgesetzt werden. Dabei ist nicht entscheidend, ob die Fräsung als Nut oder maßhaltig als Frästasche gefräst wird. Wichtig bei jeder Ausführung vom Modular ist, dass die Tiefe der Tasche eingehalten wird, da sie die Qualität der Verbindung bestimmt. Die maschinelle Fertigung bietet den Vorteil, dass sämtliche erforderliche Frästaschen und erforderliche Schraublöcher gleichzeitig präzise bearbeitet werden können. Bei handwerklicher Verarbeitung sorgt eine Bohrschablone für den exakten Sitz der Bohrungen. Die übliche 5 mm-Rasterbohrung für Bodenträger, Topfband und Euroschraube reicht zum Einschrauben der Schulterkopfschraube, dem Befestigungspunkt des Modular. Für einen schonenden Transport empfiehlt es sich zudem, die Schrauben erst während der Montage einzusetzen.

Durch Einschieben wird der Verbinder gespannt. Als Hilfsmittel kommt eine Schraubzwinge zum Einsatz.

Ein Stresstest für jeden Verbinder, eine freitragende Konstruktion mit unterschiedlichen Materialien über eine Länge von 560mm.
Trotz Materialvielfalt nur ein Verbinder
Möbel bestehen heute selten aus nur einem Material. Massivholzelemente werden oft mit Bauteilen aus unterschiedlichen Holzwerkstoffen kombiniert, die jeweils eigene Eigenschaften besitzen. So verhält sich eine Verschraubung in der Schmalfläche einer Spanplatte anders als in einer Multiplexplatte, Hirnholz, MDF oder Dreischichtplatte. Auch die Holzrichtung beeinflusst die Auszugswerte. Entscheidend für die Endqualität der Verbindung ist daher die Wahl der Schraube – beim Modular ist nach Unternehmensaussage ein Verbinder für alle Einsätze genug.

Für das Befestigen von Konstruktionsböden ist eine spezielle Verschraubung erhältlich. Egal ob eine 16mm oder 19mm dicke Mittelwand zum Einsatz kommt.

Ein Falz ermöglicht den Einblick in die Verbindung. Hier sieht man das Funktionsprinzip vom Modular.
Im Test
Für den Werkstatttest wurden daher unterschiedliche, im Möbelbau zum Einsatz kommende Werkstoffe wie Massivholz, Spanplatte, MDF, Dreischichtplatte und Multiplex mit dem Modular verbunden. Auch die Mittelwandlösung und der flache Doppelclip wurden auf diesem Weg getestet. Alle Verbindungen wurden mehrfach montiert bzw. demontiert und auf Stabilität geprüft. Im Fokus stand dabei unter anderem die einfache Verarbeitung: Für die Montage zeigten sich ein Schonhammer oder eine Schraubzwinge als beste Hilfsmittel. Einfaches Verschieben genügte, um die Verbindung zu arretieren. Im Test zeigte sich zudem schnell, dass der Modular von Knapp Verbindungen mit erstaunlich hoher Festigkeit und Stabilität ermöglicht. Diese können bei Bedarf reversibel zerlegt und natürlich auch wieder zusammengebaut werden – es sei denn, man hat die nicht lösbare Version eingesetzt, um zum Beispiel eine nicht mit Schraubzwingen spannbare Verleimung unsichtbar und sicher zu spannen.
Das Ergebnis
Das Ergebnis des Werkstatttests hat überzeugt: Unsichtbare, selbstspannende, stabile und wieder zerlegbare Verbindungen im Möbelbau sind mit dem Modular keine Herausforderung mehr. Egal ob handwerklich oder technisch anspruchsvoll verarbeitet, dieser Verbinder kann eine Vielzahl von alltäglichen Verbindungslösungen problemlos meistern. Für Stefan Böning steht daher fest, „dass der Modular zukünftig für zerlegbare Konstruktionen im Möbelbau, aber auch als Verleimhilfe in meiner Werkstatt zum Einsatz kommt.“